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Im Hier und Jetzt


Privilegien schaffen Verantwortung

Gestern hat mir meine Tochter dieses Video gezeigt. Sie habe noch nie darüber nachgedacht, dass es tatsächlich Menschen gebe, dass es Kinder gebe, die nicht wüssten, ob sie am nächsten Tag eine warme Mahlzeit bekämen. Tatsächlich gibt es diese Menschen, auch hier, mitten in Deutschland.

Wir sind privilegiert, denn wir mussten noch nie darüber nachdenken, ob es etwas zu essen gibt. Es ist selbstverständlich. Und auch, wenn ich mal keine Lust habe zu kochen, ist immer genug im Haus, damit sich jeder das zubereiten kann, was ihm beziehungsweise ihr schmeckt. Wir haben warme Kleidung. Die Kinder dürfen in die Schule gehen. Sie dürfen studieren. Sie dürfen jobben, aber nicht, weil die Familie das Geld braucht, sondern weil sie das Geld für ihren eigenen Lebensstil haben wollen.

Wir sind unendlich privilegiert, aber dieses Privileg ist nur zum Teil unser eigener Verdienst. Wir sind in diese Gesellschaftsschicht hineingeboren worden. Was wir dann daraus machen, liegt natürlich in unserer Hand. Aber alleine dieses Privileg legt uns eine gewisse Verantwortung auf. Wie können wir unseren Beitrag leisten, dass Menschen, die weniger sorgenfrei leben dürfen, hier aufholen? Spenden? Klar. Ehrenamtliche Tätigkeiten? Klar.

Ich habe beschlossen, dass ich auf meine Weise dazu beitragen werde. Meine Coachings haben ihren Preis. Der ist gerechtfertigt, denn ich investiere Energie in meine Klienten, ebenso wie ich Energie in Form von Zeit, Geld und Fleiß in meine vorangegangenen Ausbildungen und anstehenden Weiterbildungen investier(t)e.

Es gibt Menschen, die sich meine Coachings noch nicht leisten können. Künftig werde ich einmal pro Woche ein kostenloses Coaching anbieten; desgleichen wird in jedem Workshop und Seminar ein Platz für einen Menschen reserviert sein, der den sehnlichen Wunsch hat, daran teilzunehmen, aber noch nicht weiß, wie er das finanzieren soll. Nicht, weil er oder sie meint, das wäre halt zu teuer. Sondern weil schlicht und ergreifend das Geld dafür nicht vorhanden ist.

Dieses Angebot gilt ab sofort bis auf weiteres. Wer also den Wunsch nach einem Coaching oder einem Workshop / Seminar hat, aber finanziell nicht die Chance auf Teilnahme hat, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit mir aufnehmen. Gemeinsam regeln wir dann alles Weitere. Was ich dafür möchte, ist der unbedingte Wille dieses Menschen, etwas für sich verändern zu wollen. Offenheit. Aufgeschlossenheit. Mitarbeit. Und natürlich gerne ein Feedback auf meiner Website.

P.S. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass zahlreiches Teilen in diesem Fall absolut unschädlich ist!

Notausschalter für Gedanken?


Im Netz kursieren ja immer haufenweise schlaue oder auch weniger schlaue Sprüche. Manche davon irritieren mich. Gestern las ich beispielsweise diesen: „Ich brauche einen „Notausschalter“ für meine Gedanken!“ Das wurde auf Facebook mehr als 1600 Mal geteilt und erntete über 3000 Likes und einen ganzen Schwall zustimmender Kommentare.

Ich bin ja nun – auch von Berufs wegen – häufiger im Internet unterwegs und lese eine ganze Menge. Inzwischen aber selektiere ich sehr genau, was ich in mein System hereinlasse und was nicht. Die Überfrachtung an Informationen und / oder Katastrophen überlastet ein System. Wir sind keine Computer, die emotionslos Fakten speichern. Jede Information hinterlässt in uns Spuren, und es liegt in unserer eigenen Verantwortung, womit wir unseren Geist und damit unser gesamtes System füttern.

Wer seine Gedanken nicht abschalten kann, ist nicht wirklich da. Ich kenne das sehr gut, denn früher habe ich genauso „funktioniert“. Und ich war stolz auf meine regen, wachen Denkprozesse, die immer alles gespeichert und ausgewertet haben. In jeder einzelnen Sekunde meines Lebens. Das Ergebnis war, dass ich tatsächlich niemals wirklich da war. Ich habe die Probleme anderer Leute gewälzt, ich habe die schönen Augenblicke nicht genossen, weil der Kopf schon wieder bei angeblich unaufschiebbaren Dingen war, kam innerlich selten zur Ruhe und habe mich fortwährend zur nächsten Aufgabe gepuscht, anstatt die aktuelle mit allen Sinnen zu erfüllen. Außer ich kam in den sogenannten Flow, jenen unendlich produktiven Zustand jenseits von Raum und Zeit, in dem das gesamte Sein auf das eine ausgerichtet ist. Seltene Sternstunden.

Das ist für mich Vergangenheit. Bei sehr vielen Menschen ist es dagegen die traurige Realität. Ich beobachte das auch bei meinen Klienten und Seminarteilnehmern, und so dienen in der Regel die ersten Übungen und Meditationen, die ich mit ihnen durchführe, ausschließlich dem Zweck, sie herunter zu holen, zu sich zu kommen, innerlich Ruhe zu finden. Denn erst dann sind sie wirklich aufnahmebereit. Präsent eben. Im Hier und Jetzt, und fähig, sich ganz auf sich und ihre Themen zu konzentrieren.

Modewörter wie „Achtsamkeit“ und „Entschleunigung“ kommen nicht von ungefähr. Sie sind gerade in der heutigen Zeit der mentalen Überfrachtung überlebensnotwendig. Denn wer seine Gedanken nicht abschalten kann, kann sie nicht kontrollieren und wird zur ruhelosen Marionette äußerer Einflüsse.

„Feder und Papier entzünden mehr Feuer als alle Streichhölzer der Welt.” 

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